ÜBER_LEBENS_MITTEL

Eine Performance der Daedalus Company in Kooperation mit dem Gallus Theater Frankfurt

Der 2. Teil von „ÜBER_LEBENS_MITTEL“, der aktuellen „Daedalus Company and Friends“ Produktion, ist eine Performance, die aus dem künstlerischen Material des gleichnamigen 1. Projektteils im stadtRAUMfrankfurt / Amt für multikulturelle Angelegenheiten entwickelt wird und am 13. Oktober um 20 Uhr im Gallus Theater Premiere feiert. Auch für diesen Teil bringen „Daedalus Company and Friends“ im Gallus Theater verschiedene Frankfurter Communitys mit den beteiligten Performer*innen zusammen, um ihre Themen und Geschichten auf die Bühne zu bringen. Der Fokus liegt auf Teilhabe.

Die Fotoausstellung von Tanjana Tsouvelis aus den beiden stadtRAUMfrankfurt Veranstaltungstagen wandert mit ins Gallus Theater Foyer. Tanjana Tsouvelis portraitiert Mädchen und Frauen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Stadtteilen Frankfurts.

 
13. (Premiere), 14. und 15. Oktober um 20 Uhr
im Gallus Theater

Anmeldung:
069 – 75 80 60 20 oder über Internet
Gallus Theater, Kleyerstr. 15, 60326  Frankfurt, S-Bahn Haltestelle Gallus Warte

 Weitere Infos:
www.daedaluscompany.de
www.gallustheater.de

Der 2. Projektteil ist eine Kooperation mit dem Gallus Theater Frankfurt, dem langjährigen Kooperationspartner der Daedalus Company.

Der 1. Projektteil im stadtRAUMfrankfurt ist eine Kooperation mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten und wird im Rahmenprogramm des Festivals „Politik im Freien Theater“ am 30.09. und 01.10.2022 im stadtRAUMfrankfurt präsentiert.

Wie der 1. Teil der Produktion im stadtRAUMfrankfurt ist auch der 2. Teil im Gallus Theater vom Festival „Politik im Freien Theater“ gefördert, denn beide Teile bilden ein zusammenhängendes Projekt.

Das Festival „Politik im Freien Theater“ findet alle drei Jahre in wechselnden Städten statt. Ausgerichtet wird es dieses Jahr in Frankfurt am Main von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm, dem Schauspiel Frankfurt und der „Festival-AG“, einem Netzwerk aus der regionalen Freien Szene, in dem ID_Frankfurt e.V., laPROF Hessen e.V. (Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen) sowie das Produktionshaus Naxos vertreten sind. Auch Regina Busch ist Teil dieser „Festival-AG“. Das Thema des diesjährigen Festivals ist „Macht“, ausübende Macht und die Aufforderung: macht !
  

Beteiligte:

Performance, Kamera:  Regina Busch, Karla Hennersdorf, Dina Lahoda, Angelika Löfflat, Mareike Moskaliuk, Mahfam Nozhat Shoar, Praunheimer Werkstätten, Wango Deligiannis/Vanessa P.

Text:

Vertreter*innen der Communitys, Ensemble

Kamera:

Melek Özdemir

Bühne + Kostüme: Nadine Wagner

Assistenz Bühne und Kostüme:  Katharina Olt
Idee, Konzept Performance: Karin Bienek, Regina Busch
Licht: Thomas Rösener
Fotoausstellung: Tanjana Tsouvelis
Ideen Choreograph. Elemente:        Hannah Dewor

  
Unterstützung durch:     

Festival „Politik im Freien Theater“, Kulturamt Frankfurt am Main, Frauenreferat Frankfurt am Main, Amt für multikulturelle Angelegenheiten Frankfurt, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Wiesbaden, Hochschule für Gestaltung Offenbach, Praunheimer Werkstätten, Gallus Theater Frankfurt.

Das Projekt wurde gefördert von:

Zur Entstehung des Projektes:

Die Produktion „ÜBER_LEBENS_MITTEL“ ist ein Projekt der Daedalus Company unter der Überschrift  „Daedalus Company and Friends“. Hierbei handelt es sich um vier Künstlerinnen aus der Freien Tanz- und Theaterszene Frankfurts, die mit verschiedenen Formaten künstlerische Zugänge und Sichtbarkeit für Menschen unterschiedlicher Stadtteile und Communitys geben:

Tanjana Tsouvelis (Autorin, Regisseurin, Schauspielerin, Filmemacherin), Hannah Dewor (Choreographin, Tänzerin), Regina Busch (Regisseurin, Produzentin, Vorstand laPROF e.V. Hessen, „Festival-AG“) und Karin Bienek (mediale Bühnenkünstlerin, Performerin, Vorstand laPROF Hessen e.V.).

Die Idee zum Projekt „ÜBER_LEBENS_MITTEL“ ging aus einem Workshop am 24. Oktober 2021 zur Entwicklung eines Rahmenprogramms für das Festival „Politik im freien Theater“ 2022 hervor. Die „Festival-AG“ und die Festivalleitung hatten die gesamte Freie Theaterszene Frankfurts hierzu eingeladen. Zum Festivalthema „Macht“ und den verschiedenen damit verbundenen Aspekten sollten eigene künstlerische Formate entwickelt werden. Nachdem aktuell relevante Themen gesammelt und in Clustern gruppiert wurden, entstanden darauf aufbauend Arbeitsgruppen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Aus einer solchen Arbeitsgruppe bildete sich anschließend im weiteren Verlauf die aktuelle „Daedalus Company and Friends“-Produktion „ÜBER_LEBENS_MITTEL“.

 

Die Performance

Zwei Wochen nach den beiden Veranstaltungstagen im stadtRAUMfrankfurt präsentiert „Daedalus and Friends“  gemeinsam mit Vertreter*innen der Frankfurter Communitys eine Performance auf der Gallus Theater Bühne, die aus dem künstlerischen Material der beiden Veranstaltungstage des 1. Projektteils entwickelt wird. So werden Teile der Skulpturen von der Bildenden Künstlerin Mareike Moskaliuk in den Bühnenraum mit integriert. Bewegungsvorgänge und Situationen, die beim Kochen entstanden sind, werden für die Performance weiterentwickelt. Die im Räumeparcours des stadtRAUMfrankfurt  verwendeten Requisiten und Interieur kommen zum Einsatz. Auch im Kontakt mit den Besuchenden entstandene Situationen und Aktionen werden dokumentiert und in der Performance wiederaufgegriffen. Küchenutensilien werden auf der Bühne in performativen Szenen neu belebt und situativ umfunktioniert.

Die Performance „denkt“ die Inhalte assoziativ in Bildern, wir finden mit den Performer*innen szenisch choreographierte Bildcollagen, die auf einen erwünschten inhaltlichen Fokus hin ästhetisch verdichtet werden. Die persönlichen Erfahrungen und Lebenswelten der Vertreter*innen der Communitys zum Beispiel auf Fluchtwegen oder im Alltag werden so erfahrbar und ihre Überlebensmittel eingeflochten. Texte aus geführten Interviews werden teils als Toneinspielung zu hören sein, während wir sie selbst szenisch situativ auf der Bühne erleben, und werden im Spiel aufgegriffen und kommentiert.

Eine Live-Cam kommt zum Einsatz. Utensilien wie Kochutensilien, Essbesteck, Schneebesen, Pfannenheber werden neben dem szenischen auch filmisch als Projektionsobjekte verwendet und darüber kontextuell neu definiert. Sie werden zum Beispiel von den Performer*innen szenisch als Waffen, Zerstörer, Erschaffer eingesetzt.

Baguettes werden zu Schwertern, Lauch zu Säbeln und werden später weiter verarbeitet. Mit Brot wird einander „bombadiert“, und anschließend im friedlichen Miteinander dasselbe Brot von allen Akteur:innen miteinander gebrochen. Die Lebensmittel können in einem szenischen Vorgang ausgepackt werden, sinnbildlich für „unser Päcklein, das wir tragen“ bzw. „ein Geschenk, das sich als Ablehnung entpuppt“ oder auch den Antragsbescheid, der so überlebenswichtig ist wie das darin eingepackte Lebensmittel.  Die Texte und Formulare bzw. Bescheide werden als Kommentare auf die Projektionsflächen projiziert, um sie im performativen Spiel interaktiv aufzugreifen.
Lebensmittel werden von den Performer*innen in Papier verpackt, zum Beispiel in Antragsformulare, Ablehnungsbescheide.  Sie schreiben einzelne Wörter aus den behördlichen Fachbegriffen auf ein Blatt Papier, zum Beispiel aus einem Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung, Antrag auf Kostenübernahme für einen Rollstuhl, Hartz IV – Antrag, Wohngeldantrag, Paragraphentexte, Zeitungsartikel etc. und bringen diese als Projektion in die Interaktion ein.

Eine Live-Cam auf der Bühne projiziert verschiedene Lebens-Mittel, Fotos, Gegenstände, Objekte und Texte auf die Bühnenwände. Diese Projektionen werden in der laufenden Szene von den Spielerinnen aufgegriffen und angespielt. Farbfolien, vor das Kameraobjektiv gehalten, erzeugen eine Distanz zu den gefilmten Lebensmitteln und Gegenständen, die künstlerisch transformiert und inhaltlich umgedeutet werden und Verknüpfungen schaffen zu den verschiedenen Themen und Situationen in der Performance. Neben Farben werden hier auch Muster und Grautöne zum Einsatz gebracht. Die gefilmten Lebensmittel und Gegenstände werden vor verschiedenen Hintergründen gefilmt und kontextuell neu gedeutet.

Haushaltsgegenstände bilden Hindernisbahnen, über die, mit der Kamera gefilmt, verschiedene Lebensmittel einen Weg zurücklegen, per Hand geführt, durch Schrägen gerollt, mit anderen Gegenständen gestoßen. Ein Bild für den zunächst hoffnungsfrohen, sehr beschwerlichen Weg mit Hindernissen, die Menschen auf ihrem Weg überwinden müssen. Auch Hindernisse, die auf dem Weg durch behördliche Beantragungen überwunden und bewältigt werden müssen, werden thematisch aufgegriffen.

Salatköpfe werden in der Live – Projektion zu menschlichen Köpfen. Lebensmitteltüten und Säcke (zum Beispiel Kaffeesäcke) werden zu Rucksäcken, zum „Zuhause“, zur Wärmequelle, zur Kleidung.

Aus Lebensmitteldosen entstehen Mauern, die wieder eingerissen werden, Türme, die in sich zusammenfallen; Grenzübertritte, Grenzüberschreitungen, sowohl als Ländergrenzen als auch als emotionale Grenzen.

Lebensmittel sind in unterschiedlichen Gefäßen, in der Live – Projektion lauter Mikrokosmen. Sie werden umverteilt, neu zugeordnet und in Situationen im Spiel von den Performer*innen aufgegriffen.

Die auf der Bühne verwendeten Lebensmittel werden nicht entsorgt, sondern in der Performance verspeist bzw. anschließend weiter verarbeitet. Alle Gegenstände, die auf der Bühne verwendet werden, sind entweder Second Hand oder werden nach Abschluss der Produktion weiter verwertet und verschenkt.

© Foto oben von Karin Bienek