„Spoonface Steinberg“

von Lee Hall

„Das jüdische Mädchen mit dem Spitznamen Spoonface ist irgendwie ‚nicht richtig geboren‘. Ihr Gesicht ist bei der Geburt so rund, als würde man in einen Löffel schauen. Sport kann sie auch nicht, nur ‚die Zahlen rechnen‘. Papa wohnt irgendwo mit einer ‚Doktoratin‘ zusammen, während Mama schon seit längerem viel Wodka trinkt. Eines Tages wird es Spoonface furchtbar schlecht. Sie muss ins Krankenhaus, in eine Röhre, und danach haben die Ärzte eine Antwort.“ (H&S Verlag)

Das Mädchen Spoonface Steinberg, Titelfigur des gleichnamigen Stückes, ist Autistin. Behutsam werden wir herangeführt an ihre ganz besondere Sicht auf die Dinge und wie sie all die Menschen um sie herum, auch ihre Familie, erlebt. Ihre autistisch geprägte Sicht auf Liebe, Krankheit, Tod und auf Gott weisen uns auf bisher unbekannte Wege und wir erleben erfrischend neue, fast weise Einsichten. Als Zuschauer werden wir auf eine Reise in Spoonface Innerstes mitgenommen, die unsere eigene Perspektive auf das Leben und unsere Welt verändern wird.

„Die für uns anscheinend normalen Reaktionen - Angst, Hilflosigkeit und Mitleid - bestimmen das Verhalten der Eltern und vieler anderer, nicht aber das des autistischen Mädchens. Mit einer eigentümlichen Mischung aus Naivität und Weisheit befasst sich das Kind mit dem Unfassbaren und lässt uns mit seinen Augen sehen, wie dieses untrennbar mit dem Leben verbunden ist. Mit der ‚Weltfremdheit‘ einer Autistin stellt Spoonface immer wieder die richtigen Fragen und findet so einen Weg jenseits von Angst und Verzweiflung.“ (H&S Verlag)

Aufführungsrechte beim Hartmann & Stauffacher Verlag GmbH Köln

Deutsch von Michael Raab
Dauer 1 Std. 45 Min

In Kooperation mit dem Verein Autismus Rhein Main und Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden

Besetzung

Spoonface Steinberg:
Sopranistin:
Naja Marie Domsel
Britta Stallmeister

Regie:
Raum/Kostüme/Video:
Bühnenkamera:
Licht:
 
Sound:
Beratung Video/Raumklang:
PR:
Grafische Layouts:
Website:

Regina Busch
Anna Dischkow
Nadine Lang, Joel Hess
Jan Hartmann,
Thomas Wortmann
Frank Marheineke
Niels Lanz
Dörthe Krohn, Orlando Krohn
Mario Rudolf
Horst Wiese

Zu Lee Hall

Lee Hall ist ein bekannter britischer Dramatiker mit bisher zwölf veröffentlichten Bühnenstücken und sechs Filmdrehbüchern. Berühmtheit erlangte er mit dem Kinofilm-Drehbuch „Billy Eliot – I will Dance“, das vielfach preisgekrönt wurde. 1997 erfuhr Lee Hall seinen Durchbruch in England mit dem zunächst als Hörspiel konzipierten Stück „Spoonface Steinberg“, das auf BBC Radio gesendet wurde und eine bis dahin beispiellose hohe Zuhörer-Resonanz erhielt. Es wurde von den Lesern des Magazins „Radio Times“ zu eines der besten zehn Radio Dramen aller Zeiten gewählt, am 5.01.2000 im New Ambassadors Theater London uraufgeführt und am 13.10.2000 am Staatstheater Stuttgart mit sehr positiver Resonanz deutsch-erstaufgeführt

Das Projekt wurde gefördert von:

Fotogalerie

Alle Fotos: Daedalus Company

In der Presse

(aus rechtlichen Gründen immer nur ausschnittweise)

Frankfurter Rundschau am 11. Mai 2017

Jung Sterben

Regisseurin Regina Busch lässt auf dem Programmzettel durchblicken, dass es ihr eine Herzensangelegenheit war, den Monolog zu inszenieren. Das merkt man. Die Produktion der Daedalus Company treibt einen eindrucksvoll zielgerichteten Aufwand im gründlich umgeräumten Saal. Das Publikum kann sitzen oder wandeln, es gibt Podeste, mehrere Bühnen. Durch gläserne Wände auf Rollen, Kameras, und geschickte Beleuchtung entsteht ein immer wieder anderes Spiegelkabinett. Die (alb-)traumhafte Wirklichkeit der Sterbenden, ohnehin immer schon Kranken, immer schon Einsamen bekommt hier ihren ganz eigenen, jedoch für jedermann sichtbaren Kosmos. Schauspielerin Naja Marie Domsel, die hier lagert, geht, steht, teils im Mauskostüm, wird begleitet von der Opernsängerin Britta Stallmeister, die ihr zwillingshaft ähnlich sieht und Spoonfaces Lieblingsarien wundervoll singen kann: eine Auswahl für junge Sterbende aus „La Traviata“, „Tosca“, „La Wally“, „Samson und Dalila“.

Autorin Judith von Sternburg

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

Frankfurter Neue Presse am 15. Mai 2017

Die liebe Mama trinkt zu viel Wodka

Einen ergreifenden Todesmonolog zeigt die Daedalus Company im Gallus Theater Frankfurt mit Lee Hall’s „Spoonface Steinberg“.

Die Vorstellung, den Gedanken eines autistischen Mädchens beim Sterben zuzuhören, ist grausam. In Lee Halls Werk „Spoonface Steinberg“ ist es anders, ein direkter, bittersüßer und sogar tröstender Vorgang, den Regisseurin Regina Busch von der Daedalus Company verstärkt und szenisch in ein Kaleidoskop von Eindrücken verwandelt.

Im völlig umgeräumten Theatersaal warten verschiebbare Spiegelwände, umher wandernde Menschen, verwirrende Projektionen und viele Arien sterbender Operndivas, wunderbar tröstlich live gesungen von Britta Stallmeister. Am Ende wird es theologisch. Die kleine Spoonface geht, wunderbar geborgen, ein in den Himmel der Kabbala-Mystik. Für die sensible Performance gab es viel Applaus.

Autorin Bettina Boyens

Frankfurter Allgemeine Zeitung am 15. Mai 2017

Staundend Sterben

Naja Marie Domsel verkörpert das autistische Mädchen mit großer Intensität. Man folgt ihr in jedem Moment, man glaubt ihr, obwohl man weiß, wie unmöglich es ist, das Innere eines Autisten für die Außenwelt wirklich plausibel zu machen. Man hört, dass hier ein Kind spricht, aber die naive Sprechweise wirkt nie platt. Britta Stallmeisters strahlender Sopran ist für den kleinen Raum des Theaters fast zu groß, in ihm deutet sich schon etwas von der Transzendenz an, in die Spoonface am Ende furchtlos schreitet.

Autor Matthias Bischoff

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Strandgut Kulturmagazin Oktober 2017, Autor Winnie Geipert

Mit Engelszunge und Himmelsstimme - Gallus Theater: Daedalus Company zeigt „Spoonface Steinberg“

„Komm mit!“ flüstert das Mädchen, das sie seines löffelrunden Gesichts wegen Spoonface nennen. Barfuß im Hemd bahnt sie uns mit Taschenlämpchenlicht den Weg aus dem Foyer des Gallus Theaters in ein Dunkel, aus dem Klaviermusik und Gesang aufklingt. „Adieu notre petite table“ aus Jules Massenets Oper „Manon Lescaut“. Es ist die erste von sieben großen Callas-Arien an diesem Abend, der auch sowas wie ein Konzerterlebnis mit ganz besonderer Aura wird. Wunderba

r von Britta Stallmeister interpretiert, langjähriges Ensemble-Mitglied der Oper Frankfurt.Angekommen, finden wir uns erst mit uns selbst konfrontiert, auf einen Bildschirm projiziert. Spiegelnde Glaswände unterteilen den Raum, über die Stufentribüne sind strahlenförmig Bänder gespannt, ausgewiesene Plätze gibt es nicht. Wir setzen uns dahin, wo wir am besten sehen, und wechseln in der Folge öfter die Position, weil auch Darsteller, rollende Glaswände und Licht ständig in Bewegung sind: ein „inklusives Raumprojekt ohne vierte Wand“, so die Regie.

Es ist die Welt, wie die elfjährige Spoonface, das unheilbar an Krebs erkrankte, autistische jüdische Mädchen, sie sieht und an der sie uns mit ihrer Geschichte vom Leben und Sterben teilhaben lassen wird.

Untermalt wird der aus einem Familienzerwürfnis in eine hoch komplexe kabbalistische Spiritualität führende Count-Down des Sterbens von der Musik und Lichtprojektionen. In Halls Geschichte schenkt der jüdische Arzt Dr. Bernstein der unheilbar Kranken die Callas-Musikkassette. In der Inszenierung Buschs, die nach der Premiere im Mai ihre zweite Staffel erlebt, sorgt Britta Stallmeisters Sopran über den Hörgenuss hinaus für einen bewegenden Kontrast zum nahezu mechanischen Klang, mit dem Naja Marie Domsel ihre Spoonface reden lässt – Himmelsstimme und Engelszunge.

Ein sehr besonderes Theatererlebnis mit hohem Gesprächsbedarf ist garantiert, dem die Daedalus Company im Anschluss an die Vorstellungen nachhaltig Vorschub leisten.