„Messer in Hennen“
„Mit 277 Vorstellungen und mehr als 25 000 Zuschauern hat das Gallus Theater im vergangenen Jahr einen großen Sprung nach vorne gemacht. Mit Höhepunkten wie der Daedalus Company will man das wiederholen.“
Frankfurter Neue Presse 21.08.2010
“Die schöne Müllerin - Im schwierigsten Part des vielfach ausgezeichneten Mann-Frau-Mann-Stückes von David Harrower treffen der grobschlächtige Bauer William und der feingeistige Müller Gilbert Horn erstmals aufeinander, der zoophile Blut- und Bodenprovinzler, der seinen Pflug lustvoll in die Erde rammt, und der suspekt verwitwete Außenseiter, der Mühlsteine für sich arbeiten läßt. Es ist die Szene, aus der heraus erst sich die Befreiung der jungen Frau vollzieht, die mit jenem dumm verheiratet und diesem inspiriert fremdgegangen ist.
Es ist die Szene, die den mitfühlenden Betrachter etwas bangen läßt um die erste Produktion der neuen Daedalus-Company um Regisseurin Regina Busch, weil es auf einmal zu holpern scheint. Doch diese erste Szene ohne die starke (und dominante) Mandy Müller erweist sich nur für den Betrachter ungewohnt. Hendrik Pape und Christoph Stein meistern ihren Part. Immerhin zeigt sie, wie sehr die namenlose Landfrau, die auf der Suche nach den Namen der Dinge sich selbst finden wird, die Sinne okkupiert.
Das ewige Dorf und sein ewiger Jude treiben einen Erkenntnisprozeß an, der durch intensive Sprache, Gesten und eine beruhigende Optik vom Start weg fasziniert. Simple Bettlaken imaginieren eine geordnete Landschaft aus Feldern und Wegen wie aus dem Flugzeug. Doch die Idylle trügt: »Ich bin kein Feld«, lautet der erste Satz, »Das Dorf braucht einen Müller«, der – erstmal schmunzelnd vernommene – letzte. Dazwischen liegen anderthalb aufregende Stunden.“
Strandgut Juni 2010
