„Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?“

Edward Albee

Der Geschichtsprofessor George und seine Frau Martha, die seit zwanzig Jahren verheiratet sind, kehren gegen zwei Uhr morgens von einer Feier heim. Martha eröffnet ihrem Mann, noch ein paar Gäste geladen zu haben, und zwar den neuen Biologieprofessor Nick und seine Frau. Ihr Vater, der Dekan der Universität, habe gesagt, es sei wichtig, sich gut mit ihnen zu verstehen. Als das junge Paar Nick und Schätzchen eintrifft, liegen sich Martha und George schon gewaltig in den Haaren. Er sei unfähig, sie alkoholabhängig, er sei ein Nichtsnutz, sie stelle ihn immer vor vollendete Tatsachen. Nachdem George in seiner Rage versucht Martha zu erwürgen, flirtet diese so heftig mit Nick, bis beide in der Küche „verschwinden“. Schätzchen betrinkt sich darauf hin heillos und George steht daneben. Ihr plötzlicher Aufschrei: "Es klopft!" lässt die Szene abrupt enden und George kommt die entscheidende Idee.

"Dreckloch, verdammtes!" Dieser Ausruf Marthas, als sie mit George - seit 20 Jahren ihr Mann - von einer Party nach Hause kommt, bezeichnet vieles. Martha meint nicht nur die Unordnung im Haus, sondern auch die Beziehung zu ihrem Mann, in der beide seit vielen Jahren ein Geheimnis um ihren Sohn hüten.

Auch das junge Ehepaar, Nick und Schätzchen, welches noch in derselben Nacht auf einen Absacker bei Martha und George, wahrt ein Geheimnis ihrer Ehe. Das junge Paar lebt seit einer Scheinschwangerschaft kinderlos zusammen. Der Zuschauer merkt schnell, dass mit dem gemeinsamen Sohn, der von Martha groß angekündigt wird, etwas grundlegend nicht stimmt und auch hinter der Kinderlosigkeit des jungen Paares steckt noch ein anderes Motiv...

Vor diesem Hintergrund verhandeln Martha und George im Aufeinandertreffen mit dem jungen Ehepaar ihr gemeinsames Eheversprechen noch einmal neu und überschreiten alle bis dahin gültigen Grenzen.
Familienplanung als wichtiges Thema unserer Gesellschaft

Sowohl in der Politik als bei jungen Menschen unserer Gesellschaft ist Kinderlosigkeit ein aktuelles Thema. Zur Entstehungszeit des Bühnenstückes waren kinderlose Paare eher Seltenheit und litten unter gesellschaftlicher Ausgrenzung. In heutiger Zeit ist es ein gewohntes Bild und thematisch in der jungen Generation bei Berufs- und Familienplanung angekommen.

(„Who’s afraid of Virginia Woolf…?“)  übersetzt von Pinkas Braun
Aufführungsrechte beim S. Fischer Verlag GmbH Theater und Medien Frankfurt

Ensemble

Martha
George
Schätzchen
Nick

Ricarda Klingelhöfer
Armin Hauser
Nora Jokhosha
Christoph Stein

Regie
Ausstattung
Licht
Sound
Dramaturgie
Produktionsmitarbeit
Regieassistenz
PR
Layouts

Regina Busch
Sandra Li Maennel Saavedra
Jan Hartmann
Frank Marheineke
Lynnette Polcyn
Rebecca Dome
Cecilia Ward
Christiane Köppe
Jokhosha Design

Edward Albee

„Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ ist das bekannteste Stück des US-amerikanischen Dramatikers Edward Albee. Es wurde am 13. Oktober 1962 am Billy Rose Theater in New York uraufgeführt. Berühmt wurde das Stück durch Mike Nichols’ Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton im Jahre 1966 (Drehbuch: Ernest Lehman). Es gehört inzwischen zu den Bühnen-Klassikern des 20. Jahrhunderts und wurde mittlerweile von Alissa und Martin Walser neu übersetzt. Die Daedalus Company verwendet die ursprüngliche Übersetzung von Pinkas Braun.

Das Projekt wurde gefördert von:

Fotos aus der Aufführung

Fotos: Frank Marheineke

In der Presse

(aus rechtlichen Gründen immer nur ausschnittweise)

Frankfurter Rundschau, 23.04.2012

Klassisch frisch

„..Die junge Frankfurter Daedalus Compnay führt jetzt im Gallus Theater Edward Albees »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« auf, und in der Inszenierung von Regina Busch gibt sich das Berühmteste unter den Verkrachte-Ehe-Verkrachtes-Leben-Dramen unbefangen taufrisch, wie nicht tausendmal gespielt und tausendmal gesehen. Stattdessen schlägt das Interesse an der Konstellation wieder voll durch, eine Hingabe an eine nicht zuletzt spannende Geschichte, auch wenn die Hauptfiguren sie längst in- und auswendig können.. Busch kann sich in einer konzentrierten, pausenlosen 110-Minuten-Inszenierung vor allem auf ihre Martha verlassen, Ricarda Klingelhöfer, die sich in der Rolle der todtraurigen, aber nicht auf den Mund gefallenen Zynikerin regelrecht aalt und die Figuren um sich herum wie Marionetten beherrscht, obwohl es sich keineswegs um Marionetten handelt. Armin Hauser ist als ihr Mann George freilich zu erschöpft, um ihr ernsthaft etwas entgegenzusetzen. Reine Frustration und jenes vermutlich nur Eheleuten bekannte komplexe Phänomen der endlos zelebrierten Ex-Liebe bringen die beiden in überzeugenden Einklang..“

Judith von Sternburg

www.fr-online.de

Frankfurter Neue Presse, 21.04.2012

Die Ehe ist ein Schlachtfeld

„Ist der erste Teil auch DankJokhoshas naiver Putzi immer wieder komisch wie eine Komödie von Yasmina Reza,so wird das seltsame Spiel , mit dem George und Martha ihre Eheaufrechterhalten haben, zunehmend dringlicher und grenzüberschreitender. Dabeigelingt allen auf diesem Eheschlachtfeld eine gute Balance zwischen böserKomödie und tiefgründigerem Drama. Ohne falsche Larmoyanz führt Klingelhöfervor, wie es bei Martha schließlich Klick macht, und dass der Schritt, die Hosenrunter zu lassen, zwar schmerzlich, aber auch ein Neuanfang sein kann.

Von Astrid Biesemeier

Artikel einsehbar unter: www.fnp.de/fnp/nachrichten/kultur/die-ehe-ist-ein-schlachtfeld_rmn01.c.9776882.de.html

Strandgut, Juni 2012

Im Käfig der Resignation - Ach, du mein dickes Kind.

Regina Busch konzentriert Edward Albees Kammerspiel von 1962 ganz auf den Grundkonflikt der unfreiwilligen Kinderlosigkeit. Das ist klug, weil kürzer, und legitim. Denn was in den 60ern als gesellschaftlicher Makel galt, reicht trotz aller Künste der In-vitro-Fertilisation auch heute für Depressionen und florierende Kinderwunschkliniken. Wohl dem, der seinen Frust aggressiv ausleben kann. Ricarda Klingelhöfer sorgt dafür, daß wir Martha schon bald alles Schlechte wünschen, so fies und vulgär malträtiert die elitäre Schnepfe den Gatten. So unverschämt sündig bietet sie sich vor dessen Augen Nick als reife Frucht. Armin Hauser läßt den verzweifelnden Bär trotz aller Bosheit nicht aus dem Käfig der Resignation, in dem auch seine virtuose Partnerin landen wird. Für Nick (Christoph Stein) und Putzi (Nora Jokosha) hat der Autor bloß die Rolle des Steigbügels vorgesehen, über die sich die Oldies in grausame Höhen stemmen. Doch können sich das nix kapierende Naivchen und der Ritter der traurigen Gestalt im Glanz der Hauptdarsteller sonnen: Er ist auch ihr Verdienst."

(Strandgut Juni 2012, Winnie Geipert)