„Lampedusa“

von Henning Mankell    

Die Daedalus Company bringt das Stück „Lampedusa“ des namhaften Autors Henning Mankell im Gallus Theater Frankfurt zur Premiere. Es ist ein Stück über Ursache und Wirkung von Vorurteilen und erzählt vom Kampf der Kulturen in der heutigen Zeit. Das Drama, welches wurde 2006 im Taastrup Teater bei Kopenhagen in Dänemark uraufgeführt, hatte im Mai 2007 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen seine Deutsche Erstaufführung.

„ Die größten Gegensätze, die es heute gibt, liegen zwischen dem, was die Menschen denken, und zwischen dem, was sie sagen. Dort sind die Mauern. Dort sind die Elektrozäune.“ (Titania aus dem Stück "Lampedusa")

Anna ist eine junge schwedische Fernsehmoderatorin und hat ihre eigene Sendung, einen Polittalk. Sie hat Titania eingeladen, eine hoch gebildete und nicht-schwarze Muslima aus Sambia, die jetzt in Schweden lebt. Ihre Familie flüchtete in den 70’er Jahren vor Idi Amins Rassismus im benachbarten Uganda, der in seiner  Bevölkerung Menschen wie sie gnadenlos ermorden ließ.

Titania erweist sich für Anna jedoch als schwierige Kandidatin. Ihre Vorurteile gegenüber Titania sind nicht zu halten und das Bemühen um gegenseitige Anerkennung spitzt die Situation zu. Außerdem hat Titania einen eigenen starken Beweggrund sich in dieser Sendung zu präsentieren, von dem Anna noch nichts weiß...

„Ich frage mich manchmal: Wo ist das Zentrum Europas? Manche sagen, es liegt in Paris wegen der Künste, andere nennen London wegen der Wirtschaft. Ich aber glaube, das symbolische Zentrum Europas ist dieser Tage Lampedusa. Weil sich auf dieser kleinen Insel entscheidet, welche Art von Europa wir haben wollen. Was dort passiert, ist noch nicht das Ende. Und es ist auch nicht nur ein Problem Italiens. Es betrifft uns alle, aber Europa geht mit dieser Herausforderung der Migration nicht sehr gut um. In Lampedusa sind die Türen nicht nur geschlossen, es ist rund um sie auch noch ein hoher Zaun gespannt. Warum bauen wir nicht eine symbolische Brücke von Nordafrika nach Gibraltar? Damit könnten wir die Probleme von Lampedusa lösen. Vielleicht verstehen wir eines Tages, dass Brücken wichtiger sind als Zäune.“

(Henning Mankell, 2011)

Aufführungsrechte beim S. FischerVerlag, Frankfurt am Main

Besetzung

Anna, Moderatorin

Birte Hebold (Förderpreis Karfunkel 2014)

Titania, Muslimische Einwanderin   

Mirjam Tertilt

Anders Persson, TV Meteorologe   

Pedro Stirner

Regie
Ausstattung
Szenische Grafiken
Licht
Sound+Szenische Fotos
Dramaturgie
PR
Layout Flyer/Plakat
Foto Layouts „Alte Dame“

Regina Busch
Johanne Schröder
Laura Robert, Johanne Schröder
Jan Hartmann
Frank Marheineke
Lynnette Polcyn
Christiane Köppe
Laura Robert
Petra Gortzewitz

Henning Mankell

Henning Mankell arbeitet seit 1968 sehr erfolgreich als Autor und Theaterregisseur in Schweden und seit 1985 auch in Maputo, Mosambik. Er erhielt für sein literarisches Werk und sein Engagement in Afrika zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Er verbringt mehr als die Hälfte des Jahres in seiner Wahlheimat Maputo, Mosambik, wo er 1985 ein Theater mit begründete.

Das Projekt wurde gefördert von:

In Kooperation mit Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen (EPN Hessen) und Hessische Landeszentrale für Politische Bildung (HLZ)

Fotogalerie

Alle Fotos von Frank Marheineke

In der Presse

(aus rechtlichen Gründen immer nur ausschnittweise)

Haller Tageblatt vom 02.02.2016

Gastspiel am 29. / 30.01.2016 Winterspiele Schwäbisch Hall

 „Hinter den Fassaden der Angst: Ergreifendes „Lampedusa“ von Henning Mankell – Im wortgewaltigen Stück stellt sich die Daedalus Company aus Frankfurt kulturellen Problemen. Beim anschließenden Publikumsgespräch zeigt sich tiefe Betroffenheit. – Die Daedalus Company zeigt im Winterprogramm der Freilichtspiele unter der Regie von Regina Busch ein auf wahre Begebenheiten zurückgehendes Stück – sehr ergreifend und lebensnah, nicht nur auf der Bühne, sondern fast direkt in die Herzen der sehr ergriffenen und bisweilen fast geschockt wirkenden Zuschauer… „Lampedusa“ ist mehr als nur das Sinnbild für die Flucht und die schwierige Begegnung der Kulturen. Es scheint ein Synonym für das Nadelöhr zu sein, durch das sich die Ängste und Vorurteile beider Seiten gleichzeitig quälen.“

Andreas Dehne

Artikel in www.swp.de/schwaebisch_hall

Frankfurter Rundschau, 29. April 2014 70. Jahrgang Nr. 99- Seite 33

„Lieber eine Geschichte erzählen”

Die Daedalus Company Frankfurt: „Lampedusa“

Dass Europas Zukunft nicht mehr zu besprechen ist, ohne die Zukunft der Afrikaner, die nach Norden wollen, einzubeziehen, hat Henning Mankell früh erkannt. Ebenso dass eine italienische Insel damit der Dreh- und Angelpunkt des Kontinents geworden ist. Überhaupt dokumentiert auch Mankells „Lampedusa“ seinen schwer trüglichen Sinn für Themen und Konstellationen. Das Stück lebt davon, dass die Figuren von Klischees zu strotzen scheinen, dem Zuschauer aber vor Augen führen, wie er selbst es ist, der ja permanent Vorurteile produziert. (...) Man sieht Mirjam Tertilt als schön lange undurchschaubaren Talk-Gast, Birte Hebold als hibbelige Moderatorin, Pedro Stirner als bunten Hund. Johanne Schröder (Ausstattung), Laura Robert (Szenische Grafik), Frank Marheineke (Klang) sorgen für Ambiente, das freilich wenig zur Sache tut, in der es allein um Spannungsmomente geht. Man kann wieder darüber staunen und nachdenken, dass sich in der Freien Szene der Bedarf nach geerdetem Erzählen bisweilen stärker Bahn bricht als im Stadttheater.

Judith von Sternburg

Artikel in www.fr-online.de

reinMein – Die überlokale Zeitschrift – 25.04.2014

Daedalus Company zeigt "Lampedusa" von Mankell

In den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren ist „Lampedusa“ zu einem Stichwort geworden, bei dem die meisten Menschen an kenternde, weil hoffnungslos überfüllte Flüchtlingsboote denken. Das Theaterstück „Lampedusa“ des berühmten schwedischen Krimi-Romanciers Henning Mankell verdichtet die große Flüchtlingsthematik in einem Dialog zweier Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die tüchtige TV-Moderatorin Anna, gespielt von Birte Hebold, bereitet sich und ihren Talkgast Titania, gespielt von Mirjam Tertilt, auf die kurz bevorstehende Live-Sendung vor. Mit Titania will Anna Quote machen. Doch Titania passt überhaupt nicht in Annas Bild von einem Flüchtling ... Sein Stück dreht sich um Vorurteile, Angst vor allem Fremden, Chauvinismus und Rassismus, ebenso um Anerkennung und Mitgefühl ... „Ich arbeite konzeptionell“, sagt Regina Busch. Dabei habe sie nicht den Anspruch, alles selber zu machen. Dramaturgin Lynnette Polcyn, Beleuchter Jan Hartmann, Tontechniker Frank Marheineke und Ausstatterin Johanne Schröder haben ihre jeweiligen Kompetenzen und Sichtweisen eingebracht und eine stimmige Inszenierung komponiert. Projektionsflächen als variabel einsetzbare Roll-Downs zeigen szenische Grafiken von Laura Robert.

Text: Dörthe Krohn

Atikel in reinMein

Heilbronner Stimme, 03. Februar 2016

Keine einzige Wolke über Europa –

Daedalus Company  zeigt im Winterprogramm der Freilichtspiele Schwäbisch Hall Henning Mankells „Lampedusa“

In der Haal Halle spielt das Ensemble um Regisseurin Regina Busch ein Stück, das die Herausforderungen der Gegenwart früh erkannte. - Als die aufreizende und selbstbewusste Titania (Mirjam Tertilt) zum Vorgespräch der Talksendung erscheint, stimmt Annas (Birte Hebold) Welt nicht mehr. Sie hatte eine verschüchterte Muslima erwartet. Außerdem ist der Tee leer und der skurrile Meteorologe Persson (Pedro Stirner) nervt. - Dem kleinen Ensemble gelingt es meisterhaft, aneinander vorbei zu reden, sich zu isolieren, Vorurteile und kulturelle Spannungen zu überzeichnen. Busch legt das Stück als ein Planspiel an: Weiße Felder auf schwarzem Grund (Bühne/Kostüme Johanne Schröder. Rollos werden zu Mauern und Projektionsflächen. Ebenso steril wie der Raum ist auch die Gefühlswelt der Personen. Härte und Kälte zeichnen Anna und Persson aus, sie sind aggressiv, angespannt, einsam. Mirjam Tertilt verkörpert eine überlegene Titania, die trotz ihres bewegten Lebens kaum Mitleid zu erwarten hat – weil sie es nicht will. Mankells Text wirft Fragen aus, ohne sie zu beantworten. Auch Buschs Inszenierung maßt sich nicht an, einen Weg aus dem Dilemma anzuzeigen.

Autor Matthias Slunitschek

www.stimme.de