Geschlossene Gesellschaft

Jean-Paul Sartre

»Die Hölle, das sind die anderen.«

Die Hölle, dort befinden sich die drei Figuren Ines, Estelle und Garcin. Sie entspricht jedoch nicht den allgemeinen Vorstellungen. Es handelt sich lediglich um einen einfachen geschlossenen Raum. Vergeblich suchen sie nach den vermeintlichen Merkmalen der Hölle, wie zum Beispiel den Folterknechten.

Auch im Theater treffen sich verschiedene einander fremde Personen, um in einem Raum - zumindest während der Vorstellungszeit - miteinander eingeschlossen Zeit zu verbringen. Und hat nicht jeder von uns auch eine Leiche im Keller? Dem Publikum geht es nicht anders als den Protagonisten, weswegen wir sie mitnehmen - in die Hölle. »Beziehungen zu den anderen, Verkrustung und Freiheit, das sind die drei Themen des Stücks. Ich möchte, dass man sich daran erinnert, wenn man den Satz hört: Die Hölle, das sind die anderen.« (Jean-Paul Sartre)

Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg

Konzept

Die Situation in „Geschlossene Gesellschaft" nehmen wir als Grundlage unserer Inszenierung. Auch im Theater treffen sich verschiedene einander fremde Personen, um dann in einem Raum – zumindest während der Vorstellungszeit – miteinander eingeschlossen Zeit zu verbringen. Und hat nicht jeder von uns auch eine Leiche im Keller? Das Regiekonzept nimmt dies wörtlich. Die Unausweichlichkeit von Medien wird als Teil der Hölle hier in seiner gesellschaftlichen Relevanz bestätigt.

Ensemble

Inés
Estelle
Garcin

Maja (Mandy) Müller-Bula
Julia Breckheimer
Christoph Stein

Regie
Ausstattung
Licht
Sound
Video
Dramaturgie
Regieassistenz
Öffentlichkeitsarbeit
Marketing

Regina Busch
Sandra Li Maennel Saavedra
Jan Hartmann
Niels Lanz
Denis Carbone
Maren van Severen
Denise Marhauser
Christiane Köppe
Marcello Buzzanca

Jean-Paul Sartre

(*21.6.1905 Paris, †15.4.1980 Paris) – französischer Schriftsteller und Philosoph – ist einer der Begründer des Existenzialismus und wird bis heute als Hauptvertreter dieser literarisch-weltanschaulichen sowie philosophischen Bewegung genannt. Im Mittelpunkt der Existenzphilosophie Sartres stehen die Freiheit des Individuums und die Eigenverantwortlichkeit des Handelns. Diese Themen sind auch Schwerpunkt in seinen Romanen und Bühnenstücken, mit denen er dazu beitragen wollte, eine Gesellschaft freier, eigenverantwortlich handelnder Individuen zu schaffen.

Der französische Existenzphilosoph Jean- Paul Sartre schrieb „Geschlossene Gesellschaft" 1943 zur Zeit des Nationalsozialismus. In seinem Drama seziert Sartre das Handeln von Individuen in einer ausweglosen Situation und ihren aus Selbstschutz resultierenden gegenseitigen Verletzungen durch Sprache und Verhalten. Übertragen auf heute werden in unserer Demokratie Individuen durch Medien fremd bestimmt und in ihrer Freiheit beschnitten. Die Inszenierung thematisiert die Unausweichlichkeit von Medientechnik und einer Bilderflut in unserem Alltag als Bestandteil der Hölle. Sie unterstreicht somit die tiefgreifende mediale Beeinflussung der Gesellschaft und ihre heutige Relevanz.

Das Projekt wurde gefördert von:

Fotos aus der Aufführung

In der Presse

(aus rechtlichen Gründen immer nur ausschnittweise)

Strandgut, 1/2011

Streetview Google Hell

Auf Gaze projizierte Stühle, die im Orbit schweben,sphärische Klänge, aufblitzende Splatter, Verhöre mit dem Camcorder undÜberwachungskameras sorgen dafür, daß uns die Hölle nicht gar so fremdvorkommt. Sie hat was vom Charme der Konstabler kurz nach Mitternacht, watchedby Google-Hell, wenn man so will. Ohne den Klassikerfreund zu hintergehen,nutzt das Daedalus-Ensembles mit präzisem Spiel und eng am Text das 1943entstandene Stück zu einem neuen Blick auf Ich-Identitäten, die sich heutemedial vernetzt und kontrolliert konstituieren."

Winnie Geipert

Frizz Das Magazin 1/2011

Geschlossene Gesellschaft

Besonders jetzt, so kurz nach der ach! so besinnlichen Weihnachtszeit, scheint uns Sartre mit seinem Drama "Geschlossene Gesellschaft" aus dem Herzen zu sprechen: Denn oftmals braucht es für die Hölle nicht viel mehr als die anderen-eingeschlossen in einem Raum und bis in die tiefsten Abgründe der eigenen Seele blickend. Adaptiert an die Moderne, inklusive Überwachungskamera und Einhbezug des Publikums, bringen die drei Schauspieler der Daedalus Company das Stück mit großer Leichtigkeit auf die Bühne des Gallustheaters. Selbst nach knapp zwei Stunden ununterbrochener Aufmerksamkeit fällt es alles andere als schwer, den fesselnden Inhalt des Werkes nochmals im Stillen Revue passieren zu lassen-um sich anschließend vielleicht ein Stück weit deutlicher in den Augen der anderen zu spiegeln.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2010

Geschlossene Gesellschaft

„In der Inszenierung von Regina Busch mit der Daedalus Company wird auch die Zuschauerzone in den Aktionsraum, wird auch der Besucher in den Konflikt des Trios einbezogen. Dabei entsteht eine soziale Klaustrophobie, die sich beklemmend mitteilt, wenn die Tür knallend ins Schloss fällt, die leicht verunsichernd eskaliert mit den direkten Blickkontakten, die sich im Verlauf der hundert Minuten ohne Pause im Saal ohne schützende Dunkelheit und mit steigenden Temperaturen auch körperlich verspüren lässt....Das Stück hat das Elend der menschlichen Existenz auch in der materiellen Sorglosigkeit und das Folterpotential jeder sozialen Beziehung drastisch ausgemalt. In der Frankfurter Inszenierung gibt es ein Gefühl für den Wert scheinbar kleiner Wünsche wie einen Moment der Ruhe und für die Bedrohung alltäglicher Angriffe auf die Selbstbestimmung, wenn jedes Gespräch zum Verhör ausartet und jeder Flirt in eine Fallgrube führt." Von Jürgen Richter

JÜRGEN RICHTER

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

fazarchiv.faz.net/?q=Soziale+Klaustrophobie